TV Reise
Basierend Angelehnt an wahre Begebenheiten:
Es war Samstag, 30. September 2023, 6 Uhr 42, als ich, euer bescheidener Erzähler, von meinem Wecker aus dem Schlaf geschreckt wurde. Noch sollte ich keine Ahnung haben, was mich an diesem Tage erwarten würde. (Resp. eigentlich schon, das Programm wurde vorgängig bekannt gegeben, aus spannungstechnischen und narrativen Gründen wird hier jedoch davon ausgegangen, dass dem nicht so gewesen wäre. Programm: Kanufahrt auf der Thur, Abendessen bei Hansueli Weber auf dem neuen Hof [hof-neuguet.ch], am Sonntag Bauernhof-Olympiade.)
Pünktlich um 8 Uhr erreichte ich die Mehrzweckanlage, wo meine Mitfahrgelegenheit auf mich wartete. Nun motorisiert, wurde der Weg in Richtung Ostschweiz, mit dem Ziel Uesslingen, unter die Räder genommen. Da unserem aktuellen Reiseleiter die Bedeutung des zweiten Frühstücks bekannt war, wurde auf der Raststäte Würenlos ein Zwischenhalt eingelegt, bei welchem auch unsere anderen Mitreisenden, die aufgrund der Platzverhältnisse in dem Verkehrsmittel unserer Wahl auf ein zweites Automobil ausweichen mussten, dazu stiessen. Bei sich füllenden Mägen wurde diskutiert, wie sinnvoll es ist, den Beispieltext für einen Bericht in Französisch, aber nicht von Franz Ousen geschrieben, an eine E-Mail anzuhängen. (Lorem ipsum...)
Schon bald nach der Abfahrt wurden unsere Wege jedoch schon wieder getrennt, als sich der Fahrer des zweiten Fahrzeugs dazu entschloss, eine Abkürzung zu wählen. Mit 5-minütiger Verspätung traf dieses daher auch am abgemachten Treffpunkt an der Thurbrücke ein. Nach dem Vorstellen unseres Kanu-Guides Michu, der die Vertretung unseres angebrochenen Reiseleiters Hansueli Weber auf der Tour sein würde, wurden wir mit unserem Werkzeug für die nächsten paar Stunden bekannt gemacht, dem Paddel, und auch damit, was es in diesen zwei Tagen vor allem zu sammeln gibt. Minuspunkte.
Auch wenn die Ausmasse der Thur nicht ganz dem Yukon River entsprechen, so waren wir doch zuversichtlich, dass mindestens eines der Kanus kentern wird. Zur Belustigung von 3/4 unserer Gesellschaft, wurden wir nicht enttäuscht und 2/3 der Betroffenen hatten sich ihr Schicksal selbst zuzuschreiben, wie das spätere Auswechseln des verantwortlichen Steuermannes offenbarte. Kurz vor dem Mittaghalt erreichten wir dann noch die Schwelle, bei welcher zum Erstaunen aller, keines der Boote kenterte, doch hat das berüchtigte 3er-Boot, das kurz darauf nachgeholt, und ich, geschätzter Leser, euer bescheidener Erzähler, musste unter Einsatz von Leib und Leben die Rettung der treibenden Schuhe in Angriff nehmen.
Nach dem selbst mitgebrachten Mittagessen gab es die Möglichkeit das inzwischen Gelernte unter Beweis zu stellen und beim Rennen die wenigsten Minuspunkte zu sammeln. Dieses Rennen wurde zum Erstaunen der Wenigsten vom schnellsten Boot gewonnen. Erstaunend war jedoch, dass es genau diese Crew war, die schon kurz darauf auf dem Trockenen sass. Nach gut 15 Flusskilometern erreichten wir schussendlich unser Ziel, die Ortschaft Andelfingen. Inzwischen war unserem Dreiergespann das Aussteigen, sobald das Kanu feststeht, so in Fleisch und Blut übergegangen, dass der inzwischen degradierte Steuermann reflexartig einen Satz über Bord nahm, als sie wieder auf Grund gelaufen waren. Dass die Tour fertig und der Ausstieg am Bug auf den Strand wäre, konnte ihm leider nicht rechtzeitig mitgeteilt werden.
Bei der Weiterfahrt zum Ziel Neuguet am Greifensee gestand sich dann auch noch unsere Fahrgemeinschaft das Recht ein, die Gegend zu rekognoszieren und etwas verspätet anzukommen.
Kaum angekommen, wurden wir mit dem äusserst modernen und flexiblen System des Plus- und Minuspunkte sammeln bekanntgemacht. (Prinzip: Plötzlich kann auch das öffnen einer Flasche Wein, obwohl ein in seiner Wichtigkeit nicht zu vernachlässigender Akt, einen Pluspunkt garantieren, während, nachdem die erste Person im Mario-Kart das Rennen als Letze beendete, dies von dem Moment an mit Minuspunkten abgestraft wurde.) Auch das Absolvieren der Wasserrutsche wurde mit einem Punkt belohnt und entgegen den anfänglichen Befürchtungen mussten trotz des begrenzten Querschnitts keine Kinder durch geschickt werden, um jemanden raus zu spülen. Angereichert wurde das Apéro mit Saumwein und Fotoalben zu dessen Geschichte, als auch über Kanufahrten im Berner Oberland und auf dem Yukon River.
Vor dem Nachtessen bestehend aus Risotto und Grillgut traf dann auch noch sportlich mit dem Velo die letzte fehlende Teilnehmerin ein, die leider all die tollen Möglichkeiten, Minuspunkte zu sammeln während des ganzen Tages verpasst hatte. In einer unerwarteten Wendung der Ereignisse sollte dieser Umstand später jedoch dem abgeschlagenen letzten Platz zugutekommen.
Nach dem Nachtessen durften sich dann alle eine Runde mit dem an der Wand stehenden Spielgerät für die nächste Disziplin bekannt machen. Zum grossen Glück aller Ohren, Beethovens und Bachs, war damit der Flipper-, nicht der Klimperkasten gemeint. Das Adrenalin gefüllte Duell mit Rafael im Mario-Kart war die letzte Möglichkeit, an diesem Abend offiziell Pluspunkte zu sammeln.
Zum Dessert gab es weder Apfelkuchen, noch Fronleichnam, sondern am Grill gebratene und flambierte Früchte, wobei die Früchte nur mit viel Glück das einzige blieben das flambiert wurde. Bei einer gemütlichen Runde um das Feuer und einigen Missverständnissen (spaute, nid schaute) liessen wir den Abend ausklingen, bis sich die letzte Gruppe noch Stehender aufmachte, um die Funktionalität der Sauna auszutesten. Dies veranlasste jedoch unsere zwei jüngsten Mitreisenden, ihren designierten Schlafplatz in ebendieser zu verlassen und Asyl auf dem Sofa im Wohnzimmer zu suchen.
Nachdem K.W. aus O. Samstags noch der Meinung war, dass man Minuspunkte sammeln sollte, versuchte er dies am Sonntagmorgen wieder zu korrigieren und zum Erstaunen von allen, vermutlich nicht zuletzt von Carina, tauchte er, nach mündlicher Überlieferung, um sieben Uhr morgens auf, um die Stallungen der Equus caballus von den pflanzlichen Überresten der Nacht zu befreien und sich sagenumwobene 6 Pluspunkte zu sichern, die ihn urplötzlich zu einem Spitzenanwärter auf den Thron der Bauernhof-Olympiade werden liessen.
Der Morgen brach an und der Nebel vor den Augen konnte bei der Mehrheit weder auf Rot, noch auf Weiss, sondern tatsächlich auf ein Naturphänomen namens "Nebel" zurückgeführt werden. Während um das Feuer Hansuelis weltbekannte morgendlichen Pancakes gebraten wurden, zog sich der Nebel immer mehr zurück und mit der durchdrückenden Sonne liessen sich auch vermehrt die Lebensgeister wieder blicken.
Nach dem zügigen Aufräumen ging es jetzt um die finalen Disziplinen, um sich den Sieg in der Bauernhof-Olympiade zu sichern. Diese bedurften jedoch einige Vorbereitung. Während die einen mit der Vorbereitung des Parcours begannen, gingen wir zu dritt das Pferd Selini holen. Dabei ging mir ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf: "... werde ich das Bahnticket, das ich fälschlicherweise für nächsten Samstag statt Freitagabend gelöst habe noch umbuchen können oder nicht? ..." Auf dem Rückweg zum Stall wurde von Hansueli zur allgemeinen Enttäuschung erörtert, dass diese Pferde unbestechlich seien.
Während Selini gepflegt wurde, erreichte auch das zweite Pferd, Clolë die Stallungen und dabei wurde K. W., der sich bereits mit dieser angefreundet hat offenbart, dass er wortwörtlich auf das falsche Pferd gesetzt hat und es Selini sein wird, mit der er den Parcours absolvieren muss. Bei seinem ersten Annäherungsversuch wurde er von ihr auch gleich mit Blicken taxiert, die nur eines bedeuten konnten: "Ich weiss genau, wann du letztes Mal bei Hori warst!"
Der anschliessende Parcours bestand aus das Pferd um das Feld führen, durch das Labyrinth bewegen, dazu bringen, in einen Kreis zu stehen, aufsitzen, um das Feld reiten, Bälle vom Pferd aus in eine Tonne zu werfen und danach wieder abzusitzen. Selbstverständlich gab es überall viele Minuspunkte zu sammeln und nur wenige Pluspunkte zu gewinnen. Weitaus am enthusiastischen wurde beim Posten "Aufsitzen" angefeuert, wo es möglich sein musste, ohne fremde Hilfe sich elegant in den Sattel zu schwingen, so dass auch die Blickrichtung von Reiter und Pferd übereinstimmt.
Die letzte und entscheidende Disziplin war die Fahrt auf dem Rollstuhl genannten, kleinen Radlader, und ich, geschätzter Leser, euer bescheidener Erzähler, kann aus Erfahrung berichten, dass selbst das Aufwachsen auf einem Bauernhof nicht unbedingt einen Sieg in diesem Wettkampf bedeuten muss, denn allzu häufig endet die berühmte "Alles oder nichts"-Strategie im Nichts (oder jedenfalls der stark reduzierten Ladung) und nur das Vermeiden der zeitlichen Minuspunkte sind in diesem kompetitiven Feld unzureichend, um eine Spitzenplatzierung einzufahren.
Die Rangverkündigung offenbarte, dass der frühmorgens geleistete Sondereffort K. W. tatsächlich einen geteilten zweiten Platz und eine Flasche Saumwein einbrachte. Da die Erstplatzierte auf alkoholhaltige Getränke verzichtet, wurden Erster und Trostpreis kurzerhand getauscht und somit bewiesen, dass Minuspunkte sammeln, doch eine praktikable Strategie gewesen wäre.
Ein letztes Abschlussfoto wurde gemacht und danach die Heimreise angetreten. Nach dem Zusatzfoto in der Region Zürich und einem kurzen (enttäuschenden, da kein Krokodil) Zwischenhalt in Würenlos und einer wohl verdienten Stärkung trennten sich unsere Wege, abhängig vom Autofahrer, und führte uns, um einige Erfahrungen und viele Erinnerungen reicher, wieder zu unserem ursprünglichen Ausgangsort.
Mit diesen Worten, geschätzter Leser, schliesse ich, euer bescheidener Erzähler, diesen Bericht von der Vereinsreise des Turnvereins Oberburg im Jahre 2023.