Turnveteranen erzählen aus ihrem Leben

Unter dieser Rubrik erzählen von Zeit zu Zeit Turnveteranen aus ihren bewegten Leben.

Unter dieser Rubriik werden sich periodisch Turnveteranen aus unserem Verein vorstellen und aus ihren prallgefüllten Leben erzählen. Dabei kommen nicht nur turnerische Anektoten ans Tageslicht, sondern auch Erlebnisse aus ihrem Privatleben. Unter dieser Rubrik, werden in Zukunft einige unserer Kameraden etwas aus ihrer Lebensgeschichte preisgeben. Aus der Sicht des TVO, ist es natürlich am Interessantesten, wie sie zum Turnverein Oberburg fanden. Die Veteranen werden dazu selber einen Bericht schreiben oder der Veteranenobmann stellt dazu einige Informationen aus ihren Aufzeichnungen zusammen.


Fritz Hügli – Rückblick eines Turnveteranen

Fritz der Turnveteran, ehemaliger „Jugendriegeler“, Aktivturner und Ehrenmitglied

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1954 – 1959
Die turnerische Tätigkeit wurde mir nicht gerade in die Wiege gelegt, meine Eltern waren aber der Meinung, dass ich mich sportlich betätigen sollte und schickten mich in die Jugendriege des TV Oberburg. Ab Frühjahr 1954 besuchte ich nun also die Jugi, anfangs mehr widerwillig, aber im Laufe der Zeit mit zunehmender Begeisterung und nun stand auch schon bald der erste Jugi-Tag
(Kirchberg 1954) vor der Tür. An diesem Anlass konnten wir uns mit den Jugendlichen aus der Region messen, wobei mein Resultat in den drei Disziplinen (Schnelllauf / Weitsprung / Ballwurf) nicht umwerfend war, aber was noch nicht ist kann vielleicht noch werden. Im selben Jahr wurde auch das Verbandsturnfest in Oberburg durchgeführt, wobei wir als kleine „Knöpfe“ die turnerischen Darbietungen der grossen bestaunen konnten. Schnell verflossen die schönen Jahre in der Jugi und ein neuer Lebensabschnitt stand bevor.

Besuchte Jugitage u. Turnfeste mit der Jugi Oberbrg:
1954 Kirchberg, (1954 Verb.-Turnfest Oberburg),1956 Lützelflüh, 1957 Utzenstorf (1957 Bern. Kant.-Turnfest Burgdorf), 1958 Hindelbank, 1959 Oberburg.

1960 – 1963
Anfangs Mai 1960 war es nun soweit und ich konnte mich in der Firma Progressa AG als Möbelschreiner in einer dreieinhalbjährigen Lehre ausbilden lassen. In diesem Jahr wurde ich auch als junges Mitglied in den TV Oberburg aufgenommen, wo nun mein langjähriges Interesse am TVO beginnen sollte. Neben dem Vorunterricht, der heute als Jugend und Sport (J+S) bezeichnet wird, hatte der TVO noch die Handballriege, eine Untersektion des TV’s, an welcher ich mich mit zunehmender Begeisterung beteiligte. Also für Abwechslung der sportlichen Tätigkeiten war zu dieser Zeit genügend Auswahl vorhanden. Natürlich hatte ich auch noch ein „Hobby“. Die Berge waren für mich immer anziehend und dank des Vorunterrichts konnte ich im Steingletscher (am Susten) eine einwöchige Grundausbildung im Hochgebirge absolvieren. Diese Ausbildung ermöglichten mir und meinen Bergkameraden viele schöne Gebirgstouren in Fels und Eis und unvergessliche Erlebnisse! In die Berge gehe ich heute noch, aber das Seil, Pickel und  Steigeisen lasse ich zu Hause und geniesse die Alpenwelt nur noch auf sichern Pfaden.

Fritz_04Eine meiner schönsten Bergtouren war die Besteigung des Wetterhorns. Es war Ende August 1963, an einem Mittwoch, ich erinnere mich noch sehr gut. Das Wetter war über eine längere Periode sehr stabil und wunderschön und so beschlossen wir (Hans Gfeller, Peter Brand und ich), die Tour aufs Wetterhorn zu wagen. Zu dieser Zeit hatte noch nicht jeder ein Fahrzeug, nicht einmal einen Führerschein. Peter war damals der erste, der einen Ausweis besass und so mieteten wir beim „Hofmeludi“ (Garage W. Hofmann) einen Fiat 600, somit war auch schon unser Transportproblem gelöst. Nach 1 ¾  Stunden fahrt nach Grindelwald (1057 m) trafen wir beim Hotel Wetterhorn ein, das auch unser Ausgangspunkt war. Gut gelaunt und bei herrlichem Wetter nahmen wir den Bergweg zur „Glecksteinhütte“ (2317 m) unter die Füsse und erreichten unser Tagesziel ca. nach 3 Stunden schweisstreibendem Aufstieg. Am folgenden Morgen gab es sehr früh Tagwacht. Ein kleines Frühstück wurde rasch verschlungen, den Rucksack fertig packen, Seil, Pickel und Steigeisen kontrollieren und schon ging es los. Trotz unserer speditiven Vorbereitungen waren wir fast die letzten, welche die Hütte verliessen. Zügig kamen wir vorwärts, über Geröllhalden bis zum „Krinnengletscher“ wo wir uns anseilten. Über Nacht hatte es geregnet und es war auch merklich kälter geworden, so dass sich auf dem Schnee eine dünne Eisschicht gebildet hat. Von jetzt an mussten die Steigeisen angeschnallt werden, nur mit den Bergschuhen auf dem Eis zu gehen war viel zu gefährlich! Nach dem Gletscher überquerten wir ein Couloir, welches sehr Steinschlag gefährdet ist, damit wir zum eigentlichen Aufstiegsgrat kamen. Wir freuten uns schon, den schönen und griffigen Felsgrat hochzusteigen und zu geniessen. Unsere Freude war verfrüht, der ganze Grat war auch hier mit einer dünnen Eisschicht überzogen, so dass wir in den Eisen steigen mussten, was nicht gerade ungefährlich war. So gings nun Seillänge um Seillänge hoch, zwischenzeitlich war wieder stahlblauer Himmel und wir stiegen ausgezeichnet und konnten auch ein paar Seilschaften überholen und waren nun auf einmal bei den ersten. Vom „Wettersattel“  bis aufs „Horn“ schien es nur noch ein Katzensprung zu sein, wenn da die hohe „Gipfelwächte“ nicht wäre, wo wir uns noch „durchpuddeln“ mussten. Ca. 07:30h standen wir auf dem Gipfel des Wetterhorns (3701 m) und genossen die herrliche Aussicht in die Bergwelt und gönnten uns einen grossen Schluck Gipfelwein. Der Abstieg ging sehr zügig vor sich, da nun die Eisschicht über den Grat hinunter geschmolzen war, so erreichten wir nach ca. 2 Stunden die „Glecksteinhütte“. Beim Abschied von der Hütte standen uns die Steinböcke noch Spalier und bei strahlendem Sonnenschein stiegen wir wieder in die Zivilisation zurück.

1964 – 1967
Im Frühjahr 1964 hiess es „Achtung stett“ und ich opferte siebzehn Wochen für die Grenadier RS in Losone. Nicht dass man dort nichts lernen konnte, der militärische Drill war nicht so meine Stärke, aber für die Kondition war die RS nur von Vorteil. Das Interesse an der Turnerei wurde immer stärker und die Zugehörigkeit zum Turnverein bedeutete mir damals sehr viel, ja ich würde sagen, es war meine zweite Familie. Die damalige Leitung des Oberturners Hansruedi Dummermuth trug sehr viel zu dieser Konstellation bei.

Es dauert auch nicht lange und so wurde ich an der HV 1966 als Vize-Oberturner in den Vorstand gewählt. Hansruedi war ein hervorragender Lehrmeister in Sachen Turnbetrieb und Organisation, wovon man nur profitieren konnte. Die lehrreichen Jahre als Vize verflossen in Nu und so wurde ich an der HV 1968 als Oberturner und zum Nachfolger von Hansruedi gewählt, das für mich keine leichte Aufgabe war, denn „Püppi“ (so sein Übername) war ein Supermann!

1968 – 1973
Nach dem Eidg. Turnfest in Bern schien das 1968-zgi im Verbandsteil OE ein ruhiges Jahr zu werden, da nur die Turnfahrt nach Huttwil aber kein Verbandsturnfest durchgeführt wurde. Dies gab mir die Gelegenheit, gründlich in das Amt einzusteigen und schon gewisse Vorbereitungen für das nächste Jahr vorzunehmen wobei ich versuchte den Turnbetrieb möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Im Herbst dieses Jahres ging ich auch den Bund der Ehe ein. Vielleicht war es Zufall oder auch nicht, denn am selben Tag (18.10.1968) an der Olympiade in Mexiko City ist dem US-Weitspringer Bob Beamon ein sensationeller Sprung von 8.90 m (Weltrekord) gelungen. Erst im Jahr 1991 in Tokio konnte Mike Powell die Marke um 5 cm verbessern.

Das erste im Jahr 1969 war die Turnervorstellung (damals noch in der Bärenturnhalle) und zugleich meine Feuertaufe und erster öffentlicher Anlass, den ich als Oberturner leitete. Im Mai trafen sich die Vereine zur Turnfahrt in Lützelflüh, welches vom Verband organisiert wurde. Da im Sommer das Verb.-Turnfest in Bätterkinden stattfand, hiess es nun fleissig üben (Körperschule, Schnelllauf, Kugelstossen, Barrenturnen, usw.), auf jeden Fall gingen wir gut vorbereitet ans Fest und das Ergebnis war dann auch zufriedenstellend.

Auch im Jahr 1970 war der erste Anlass wiederum die Turnervorstellung und im Frühjahr die Turnfahrt nach Langnau. Die Vorbereitungen fürs Kant. Turnfest in Langenthal hatte nun höchste Priorität, denn ein Kant. Turnfest findet nicht alle Jahre statt und dementsprechend will jeder Verein so gut wie möglich abschneiden. Das turnerische Programm übernahmen wir vom Vorjahr, wobei in der Körperschule nur die obligatorischen Elemente neu eingebaut werden mussten. Leider reichte es nicht ganz für einen Spitzenplatz, aber das Resultat durfte man anschauen.

1971 schien doch eher wieder ein gemütlicheres Jahr zu werden, da vor dem Eidgenössischen ein Übergangsjahr ist und neue Elemente ins Programm genommen werden, welche dann am grossen Fest einwandfrei vorzutragen sind. Im Februar war, wie alle Jahre, die Turnervorstellung und im Mai die Turnfahrt nach Koppigen. Das Verb.-Turnfest in Melchnau diente als Hauptprobe für das Eidgenössische und das Programm wurde auch dementsprechend zusammengestellt. Das Resultat hätte besser ausfallen dürfen, aber was soll’s, ändern können wir leider nichts mehr!

1972 war das Jahr, auf das wir uns schon lange freuten, denn das Eidg. Turnfest in Aarau stand vor der Tür. Im Jahresprogramm war im Februar wieder die Turnervorstellung, im Mai die Turnfahrt aufs Ahorn und dann im Sommer das Eidgenössische. Die Vorbereitungen sind ganz normal gelaufen und wir konnten zuversichtlich nach Aarau fahren. Wir sind damals mit den PWs ans Fest gefahren und das Missgeschick fing schon auf der Autobahn an. Unserem Präsidenten (Peter Baumgartner) sein Auto blieb auf der Autobahn stehen und musste möglichst schnell in eine Garage geschleppt werden, um den Schaden zu beheben, wobei sie mit Verspätung in Aarau eintrafen und etwas Nervosität aufkam kurz vor dem Wettkampfbeginn!

Wir versuchten trotzdem unser Programm sauber durch zu turnen, aber irgendetwas störte das Ganze, das sich auch in den Noten bemerkbar machte.

Das Resultat war 107.52 Punkte:         

  • Körperschule: 27.40
  • Sektionslauf: 26.87
  • Barren: 26.61
  • Hoch/Weit: 26.64

Also nicht gerade ein berauschendes Ergebnis, dennoch genossen wir die schönen Tage in Aarau.

Nach der Turnervorstellung im 1973-zgi beendete ich die Tätigkeit als Oberturner und leitete noch ein paar Jahre die ältesten „Jugeler“ und konnte mit ihnen viele schöne Erfolge feiern.

Meine Daten im Vereinsleben:

  • 1954  Eintritt in die Jugendriege Oberburg
  • 1960  Aufnahmen in den Turnverein Oberburg
  • 1966  Wahl zum Vize-Oberturner
  • 1968  Wahl zum Oberturner
  • 1973  Wahl zum Jugi-Leiter
  • 1978  Ernennung zum Ehrenmitglied
  • 2011  Sekretär/Kassier der Veteranengruppe Oberburg

Besuchte Eidg. Turnfeste

  • 1963  Luzern
  • 1967  Bern
  • 1972  Aarau
  • 1978  Genf

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Bericht:    Fritz Hügli
Fotos:       Fritz Hügli

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Martin Schneider – ein bewegtes (Turner)-Leben (verstorben im Dezember 2016)

Erst mit 34 Jahren trat ich in den Turnverein Oberburg ein. Meine TVO Geschichte begann ich also als „Spätzünder“. Ich habe eigentlich gehofft, dass noch einige Veteranenkameraden, die schon in die Oberburger Jugi gingen, vor mir ihre TVO Geschichte bekannt geben. Leider bekam ich keine Beiträge mehr. Vielleicht gibt es für andere wieder einen Ansporn, wenn ich nun aus meinem Turn-und Sport-Leben erzähle.

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Martin als Stift und heute als rüstiger Rentner

Turnen und Sport war ein wichtiger Teil in meinem Leben – so kam ich zum TV Oberburg

Die ersten Lebensjahre erlebte ich in Bigenthal. Mit Sport kam ich via Schwingfeste und Hornussen in Kontakt. Das Baden hinter der Pritsche, im aufgestauten Biglenbach, gehörte auch dazu. Im Frühling 1950 zügelten wir nach Oberburg, ins Kältberggässli 12, Gemeindegebiet Burgdorf. Damals war ich 6 Jahre alt und konnte, durfte oder musste den Kindergarten besuchen. Dieser war in der Schwandgasse 7, Oberburg, im Gebäude der heutigen Freien Missionsgemeinde, unten im Keller. Die Lehrerin war Frl. Liechti. (Später Frau Plumski). Hier in Oberburg lernte ich weitere Sportarten kennen. Schwimmen in der Emme und im Burgdorfer Freibad, Grossfeld-Handball, Fussball, Eishockey, Skirennen und eben das Turnen. Dies vor allem beim Besuch der Turnervorstellungen. Bald einmal merkte ich, dass viele Turner auch in anderen Sportarten zu sehen waren. Mich faszinierte am meisten das Kunstturnen. In die Jugendriege Oberburg konnte man damals leider erst ab der dritten oder vierten Klasse. So war es nicht verwunderlich, dass ich um 1951 in die SATUS – Jugendriege Burgdorf eintrat, die eine solche Einschränkung nicht kannte. Zudem war die Sägegasse Turnhalle in Burgdorf nicht allzu weit entfernt und ich konnte ja schon Velofahren. Als unsere Familie 1954 „richtig“ nach Burgdorf umzog, hatte ich also schon Kontakt mit den Burgdorfer Jugelern. Dort wurde meine Gelenkigkeit vor allem im Bodenturnen gefördert. Ich wurde in die Jugigruppe „Hohe Schule“ aufgenommen, wo das Bodenturnen und das „Akrobätelen“ Trumpf war. Diese Gruppe konnte vor allem an den Turnervorstellungen ihr Können zeigen. Auch bei anderen Vereinen! So auch einmal in Aefligen. Als Gage erhielten wir eine grosse Bratwurst mit Zwiebelsauce und Röschti. Das war wohl das erste Mal, dass ich eine ganze Wurst verschlingen konnte. Noch heute ist das eine Lieblingsspeise von mir.

In Burgdorf, auf dem Badi Sportplatz, verfolgte ich manchmal die Handballspiele zwischen den Bugdorfern und den Oberburgern. Das brachte mich in eine Zwickmühle. Wem soll ich jetzt helfen? Ich blieb neutral und erfreute mich einfach am Handballspiel. (Grossfeld).

Im Herbst 1955, in der fünften Klasse, bekam ich die Kinderlähmung. Ich kam für drei Wochen ins Jennerspital Bern, in die Quarantäne. Meine Symptome waren grosse Kopf- und Rückenschmerzen. Ich konnte nur noch stark gebeugt herumlaufen. Ich schlurfte ca.10 Tage umher wie ein alter, gebrechlicher Mann. Aber zum Glück traten bei mir sonst keine schweren Lähmungen auf. Als Einziger, von ca. 10 erkrankten Kindern, die mit mir im Spital waren, überstand ich diese Krankheit ohne bleibende Lähmungen. Da ich eins zu eins mitbekam, welche Auswirkungen die Kinderlähmung verursachte, bezeichne ich mich seit damals als Glückspilz! Die vier Quarantäne Zimmer waren ab ca. 80 cm ab Boden und bis an die Decke mit Glaswänden unterteilt. Als es mir besser ging, habe ich die anderen Kinder mit Handstand Kunststücken unterhalten. In den andern drei Zimmern konnten die Kinder aber nur meine Beine und Füsse sehen. Als Gaudi bewegte ich meine Füsse. Damit sie mehr sahen, versuchte ich manchmal, den Handstand und die „Brücke“ auch auf dem Bett. Das müssen recht komische Verrenkungen gewesen sein! Jedenfalls trugen sie etwas zur Abwechslung und zum tristen Spitalalltag bei. Meine „Kraftakte“ wurden zum Tagesgespräch. Bei den Kontrollen der Arm-und
Bein- Muskulaturen meinte die Ärztin: „Bi dir isch das däich nid nötig“! Bei meiner Entlassung wurde von der medizinischen Seite die Vermutung geäussert, dass mein turnerisch- trainierter Körper Lähmungen verhindert hat. Scheinbar wurde damals bei mir aber der Knorpelwuchs in den Gelenken behindert. Bevor ich aus der Schule kam, musste ich für die IV in das Jennerspital zur Kontrolle. Vor allen Kindern, Eltern, Ärzten und anderen Leuten, forderte mich der damals untersuchende Arzt auf, ich solle doch noch einmal im Handstand laufen. Ich tat es, aber es war mir ein bisschen peinlich, da ich ja nur in den Unterhosen war.

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Im SATUS-Turnverein war ich an vielen Jugendriegentagen, später an Turnfesten, Kunstturnertagen und anderen sportlichen Anlässen dabei. So kam es auch zu schönen und eindrücklichen Begegnungen. Etwa mit Hans Büschlen aus Zürich. Hans war mehrfacher Schweizer-Meister im SATUS Kunstturnen. Später der Schweizerische Nationaltrainer der SATUS Kunstturner. An den Kursen in Zürich, durften wir Burgdorfer, bei ihm zu Hause übernachten. Vorher, im Ausgang, zeigte er uns aber noch einen Teil der Stadt Zürich, natürlich auch das Niederdorf. Er machte uns aber auch auf die Gefahren einer Grossstadt aufmerksam. So wirkte er also auch erzieherisch gut auf uns Jugendliche. Er war mir ein Vorbild als Kunstturner, Trainer und als Mensch.
Jack Günthard lernte ich kennen, als er die „Günthard- Boys“ zusammen stellte. Damals trommelte er alle jungen und talentierten Schweizer Kunstturner zusammen, um seine später legendäre Truppe zusammenzustellen. Ich war damals leider nicht mehr so aktiv. Mit meinem ersten VW Käfer 1200, Jahrgang 1952, fuhr ich aber meine Burgdorfer Kunstturner-Freunde nach Nussbaumen bei Baden, wo Jack die SATUS Kunstturner beurteilen wollte. In der Theoriestunde fragte er, ab wann man im Training wirklich am Ende sei. Wir fanden alle, wenn wir total erschöpft seien. Das liess er aber nicht gelten! Er erzählte uns eine Begebenheit aus seiner Zeit, als Italienischer Nationaltrainer. Seine Zöglinge mussten trainieren, bis sie das Wasser nicht mehr behalten konnten. z. B. Franco Menichelli an den Ringen. Franco gewann etliche Medaillen! Gold in der Freiübung, an den Ringen Silber und am Barren Bronze.

Einmal konnten wir in Bern das Sowjetisch russische Kunstturner Nationalteam bei einem Schauturnen bewundern. Ein besonderer Star war damals Boris Schaklin. Die gezeigten Übungen waren natürlich Spitze! Was uns aber gar nicht gefiel: Die Turner zeigten kein Lächeln und durften uns auch keine Autogramme geben. Das war zu der Zeit des kalten Krieges, dem eisernen Vorhang und das Leben mit der Angst eines Atombombenkrieges.

Ich war auch ein fleissiger Benutzer der Vorunterrichts- Angebote.
(Später J + S) Da waren Schwimm-, Spiel-, Ski-, OL und Kunsturner- Kurse dabei. Diese Kurse fanden in Neuhausen am Rheinfall und in Losone TI, statt. Für uns Stifte, waren diese Kurse sehr günstige Angebote, um Sport mit Ferien zu verknüpfen.

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Teilnahmen an Kunstturnertagen

Eine fast gegebene Sportart war das Velofahren. Dazu gehörten die täglichen Fahrten zur Schule, zur Arbeitsstelle, zum Turnen und natürlich verschiedene Velotouren in den Ferien. Eine Tour-Geschichte führte sogar dazu, dass ich letzten Oktober beim legendären NEAT-Durchstich dabei sein konnte!

In Burgdorf spielte ich auch Eishockey. Als Junior und Verteidiger in der zweiten Mannschaft. Wir mussten zum Eistraining entweder nach Langnau oder nach Solothurn fahren. Wenn es in Burgdorf Natureis hatte, waren in einer Woche 2 bis 3 Spiele angesagt. Trotzdem ich gerne Hockey spielte, gab ich es auf, weil mir das Ganze neben der Turnerei zu viel wurde.

Eine sportliche Leidenschaft war auch das „Köpflen“. Ich sprang an vielen Orten, in Schwimm-und Strandbädern ab Sprungbrettern. In der Emme ab einem Felsen („i de Muure“), am Thunersee, beim Sundlauenen-Felsen oder im Ticino, in der Ponte Brollaschlucht. Auf der Insel Madeira, an einem Badeausflug war es das erste Mal, dass ich im Meer baden konnte. Im Strandbad hatte es einen 10 m-Sprungturm. Es war mir klar, dass ich auch einen Kopfsprung wage. Der Sprung, Schwalbe gehechtet, gelang! Am Abend, kurz vor der Rückfahrt, wollte ich nochmals Springen. Als ich oben von der Plattform ins Meer hinunterschaute, beschlich mich ein banges Gefühl! Es schien mir plötzlich alles viel höher! Da hinter mir die nächsten Turmspringer drängten, überwand ich meine Angst und sprang. Erst als ich wieder an Land war entdeckte ich, warum es höher war. Die Ebbe hat etliches Wasser im Sprungbecken abgezogen! Hier ist zu sagen: Zu einem wirklichen Klippenspringer hätte mir der Mut gefehlt.

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„i de Muure“

Am 26. Juli 1963 war für mich die Militärische Aushebung. Mein Ziel war, zu den Grenadieren zu kommen und damit die RS in Losone zu machen. Mein Wunsch ging in Erfüllung! Ich wurde als Infanterie Grenadier ausgehoben. Die vielen Eintragungen im Vorunterrichts-Büchlein und meine gute Kondition hatten dazu beigetragen. Zudem hatte ich ja auch die Jungschützenkurse besucht. Allerdings noch mit Vaters Karabiner. Vom 8. Februar bis am 5. Juni 1965 konnte ich dann, die, zu jener Zeit sportlichste RS, als Grenadier in Losone, absolvieren. (Gren. RS 14. 1 Kp.) Aus beruflichen Gründen lehnte ich den Vorschlag zur Weiterausbildung ab.

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Später, in den WKs, beim Inf. Regiment 16, Gren. KP 16, traf ich dann wieder etliche Oberburger Turner. Im Militärdienst und im Vereinsleben gefiel mir das Singen.

 

Nach der RS begannen meine „Wanderjahre“ in Kernenried und in Grenchen. In Grenchen übte ich meine weiteren Lieblingsportarten aus. Einerseits das „Hündele“ mit meiner Belgischen Schäferhündin Diana, anderseits im Schwimmsport. Im Freibad schloss ich den Kurs als Lebensretter mit Auszeichnung ab. Mit Hund Diana, erreichte ich an einer Prüfung, den ersten Rang in der Klasse Schutzhund 1. So sorgte Diana dafür, dass ich auch einmal Erster wurde. Detail: Diana war aus einem Zwinger in Oberburg und hiess Diana von der Fons.

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Hund Diana vor der Gysnaufluhe

Im Frühjahr 1967, kam ich nach Oberburg, an die Emmentalstrasse 101. Nun wurde wieder das Turnen Trumpf, da ich an den Turnstunden in Burgdorf teil nahm. Beim Einstudieren einer humoristischen Nummer für die Turnervorstellung, erlitt ich einen Reckunfall. Befund: Knieschäden beidseitig. Leider wurden die grossen Verletzungen viel zu spät erkannt! Zugunsten meines Berufes gab ich die Turnerei dann auf.

Übrigens: Für die Turnervorstellungen wurden jeweils zwischen dem TVO und dem SATUS-Burgdorf Turn-Geräte oder technische Geräte ausgetauscht. z.B. Stellreck, Scheinwerfer, etc. Schön ist, ich habe noch heute Kontakt mit den ehemaligen Burgdorfer Turnern!

Mit meinen Töchtern besuchte ich die Turnervorstellungen in Oberburg. Damals noch in der kleinen Bärenturnhalle. Später gingen meine Töchter in die DTV Mädchenriege Oberburg. So kam ich wieder in Kontakt mit dem TVO. Erst 1978 trat ich dann in den Turnverein Oberburg ein. Damals war durch etliche Neueintritte, ein leichter Aufschwung im Turnverein zu erkennen. Trotzdem wurde in der Dorfzeitung geschrieben, dass der TVO kränkle und wohl untergehe. Nach dem Lesen dieser Worte schwor ich mir, etwas zur Rettung des TVO beizutragen. Zum Glück haben dies noch etliche Andere auch gewollt und man kann sagen, dass es sich gelohnt hatte. Persönlich konnte ich aber, wegen meinen gesundheitlichen Behinderungen, fast nur im administrativen Bereich helfen.

Da mich meine Gelenkschmerzen im Wasser weniger behinderten, wandte ich mich wieder dem Wassersport zu. Ein ehemaliger Turnerkamerad war nun bei der Seepolizei Spiez. Er gab erste Tipps und Trainings zum Tauchen. Er wurde ja von der Seepolizei Zürich ausgebildet. Ich wurde Gründungsmitglied vom Tauchteam Burgdorf. Dort absolvierte ich den Grundschultest für Gerätetaucher. Ich erlangte das Tauchbrevet CMAS Einstern. Tauchgänge konnte ich in Schweizer Gewässern, im Mittelmeer und in den Buchten der Galapagos Inseln ausführen.

Als „Wasserratte“ konnte ich auch an einigen Segeltörns im Mittelmeer und auf dem Thunersee mitmachen. Das Segeln hat mich sehr fasziniert! Aus zeitlichen und finanziellen Gründen konnte ich mich aber nicht ausbilden lassen.

Die späteren Neuerungen in der Jugendriege Oberburg gaben neuen Schwung in den Verein. So wurde z. B. an der HV 1979 der gute Antrag von Heinz Meister, dass die Knaben schon ab dem ersten Schuljahr, in die Jugi dürfen, angenommen. 1982 wurden die Spezial-Riegen, Geräte und Leichtathletik ins Leben gerufen. Etliche Jahre turnte ich auch in der Männerriege Oberburg mit. Hier traf ich auf einige Turner, die ich früher als Junge, auf dem Handballfeld, an den Turnervorstellungen, an Eishockeyspielen, an den Oberburger- Skirennen oder an Turnfesten gesehen hatte.

Ein ganz spezielles Erlebnis war der Besuch im Sportstudio Leutschenbach, in Zürich. Es war im Juni 1990. Eugen Keller hatte das organisiert. Unsere Partnerinnen kamen auch mit. Heinz Pütz war der Moderator. Wir hatten das Glück, dass auch zwei der besten Schweizer Kunsturner als Gäste anwesend waren. René Plüss und Daniel Giubellini. Sie zeigten uns eine Barren und Pauschenpferd Übung. (EM 1990: Daniel Gold am Barren, René, Silber an den Ringen). Nach dem grossen Applaus von uns Oberburger, meinte Heinz Pütz: Aha, da ist Fachpublikum da.

Die MR beteiligte sich auch wieder an den Turnervorstellungen.

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z. B. 1991, zum Lied vom Bonetti-Chörli: Brautschau, aber „schöön muss sie sein“!

Aus gesundheitlichen Gründen musste ich aber auch das Turnen in der Männerriege aufgeben.
Besondere Freude hatte ich, als in Oberburg auch das Seniorenturnen eingeführt wurde.
Als 1992, die Turnveteranen-Gruppe Oberburg, durch Hermann Roth und Emil Eichenberger, aktiviert wurde, schloss ich mich dieser Gruppe an. Hier fühle ich mich bis jetzt wohl! Es werden ja auch keine grossen sportlichen Anforderungen mehr erwartet! Mitmachen bei den gemütlichen Höcks genügt! Ich hoffe, dass die Veteranen-Gruppe nie mehr in der Versenkung verschwindet!

Meilensteine in Martins TVO-Karriere

  • 1978 Eintritt in den TVO. Teilnahme am Eidgen. Turnfest in Genf.
  • 1983 Wahl zum Vize-Präsidenten
  • 1984 – 1988 Präsident
  • 1985 1. Turnervorstellung in der noch nicht fertig gebauten MEZWAN
  • 1990 OK-Präsident Fahnenweihe
  • 1990 Ernennung zum Ehrenmitglied
  • 1996 So. 4. Februar, Vernissage Turnerbuch. Ich war, Initiant, „Chronist“ und Mitglied im Redaktionsteam
  • 1996 OK-Präsident, 100 Jahre TVO
  • 2005 Obmann Turnveteranengruppe Oberburg
  • 2002, 2006 und 2010 OK-Präsident Turnveteranen- Tagung in Oberburg
  • 2007 Wahl als Mitglied in den Vorstand der Turnveteranen-Vereinigung Bern Oberaargau-Emmental.


Bericht: Martin Schneider
Fotos: Martin Schneider

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Das Leben in Kurzform von Benito Digirolamo

Am 12.7.1940 wurde ich als 8.Kind in einer Bauernfamilie in Santeramo, Italien,geboren. Die Eltern tauften mich auf den Namen Benito. Ich musste schon früh zusammen mit meinen Geschwistern bei vielen Arbeiten mithelfen. Auch im Schulalter mussten wir im Stall mitanpacken, bevor wir jeweils zur Schule eilen konnten. Da der Schulweg über 2 Km lang war, kamen wir oft zu spät, so dass es auch noch Schläge für die Verspätung gab. In dieser Zeit war der Lehrer die Respektsperson und Schläge waren an der Tagesordnung.
Nach der Schule war für uns Geschwister wieder Arbeiten auf dem Bauernhof angesagt, denn miteinander spielen kannten wir damals nicht.
Weil unsere Mutter als ich 8 Jahre alt war starb, musste unser Vater uns Kinder alleine aufziehen. Es war in der Nachkriegszeit keine leichte Aufgabe für ihn, so dass er uns auch sehr streng erzog.

1957 als 17-jähriger kam ich in die Schweiz. Die Reise war ein Abenteuer in eine unbekannte Zukunft. Bis dato kannte ich eigentlich nur Santeramo in Colle.
Auf der Zugreise wurde ich in Domodossola zusammen mit anderen Einreisenden auf alles mögliche untersucht, bevor es anschliessend weiter in Richtung Deutschschweiz gehen konnte. Ich wurde zum ersten mal mit einer fremden Sprache konfrontiert, die mir Angst einjagte. Die Reise endete in Niederbipp bei einem Bauer Namens Müller. Die Famillie Müller nahm mich wie ein Sohn auf und behandelten mich sehr gut. Sie merkten schnell, dass ich geschickt mit Pferd und Traktor draussen arbeiten konnte. Zudem durfte ich jeweils auch jeden Tag die Milch in die „Käsi “ bringen und traf bei dieser Gelegenheit auch gleichgesinnte von anderen Betrieben in Niederbipp.

Nach einiger Zeit wollte ich mich beruflich verändern und bewarb mich im Restaurant Kaltenherberge in Roggwil und bekam den Job als Hausbursche (Mädchen für alles). Da mein Pass in dieser Zeit ablief, musste ich nach Italien zurück um die nötigen Dokumente zu besorgen, so dass ich auch andere Berufe in der Schweiz erlernen konnte.

1960 fing ich auf Vermittlung von meinem Bruder in der Firma Gribi in Burgdorf an, und arbeitete dann etliche Jahre als Fensteranschläger. Durch einen guten schweizer Arbeitskollegen erlente ich diesen Beruf von Grund auf, so dass ich sehr schnell auf Baustellen alleine nach Plan arbeiten konnte.

1965 heiratete ich und gründete eine grosse, glückliche Familie mit 5 Kinder, aus denen allen etwas Rechtes geworden ist. 1970 erwarb ich die Lastwagenprüfung und donnerte danach im In- und Ausland über die Landstrasse. Vielfach war ich wochenlang unterwegs, so dass der Laster zur Wohnung wurde. Oft sah ich meine Familie nur an den Wochenenden, Freiheit pur und doch immer unter Zeitdruck. Die Carpüfung kam irgendwann dazu, so dass ich auch im Beruf vom Sachentransport in den Personentransport umstieg und bei den Linienbussen in Burgdorf begann.

1976 wurde ich in Oberburg eingebürgert.
Durch Eugen Keller wurde ich auf die Männerriege aufmerksam und trat ihr auch später bei. Bis heute war dies eine gute Entscheidung, ich hatte Spass daran mich zu bewegen, so dass ich auch in der Freizeit begann zu joggen, und so mein Gewicht minimierte. Ich geniesse es bei den Anlässen des Turnvereins und Männerriege dabei zu sein, denn Geselligkeit macht Spass.

Zudem sind ein paar von meinen Kindern und Enkelkinder auch vom Turnvereinvirus befallen und unterstützen so auch aktiv den Vereinsalltag.

Ich kann trotz schwierigen und harten Zeiten auf ein erfülltes und glückliches Leben zurückschauen und hoffe, dass dies noch lange so weitergeht.

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Benito in jungen Jahren und heute…

Benito im Einsatz…

Die Turnervorstellung von 1991 war vom Aufmarsch der Besucher her nicht mehr zu überbieten! Die MEZWAN drohte aus allen Nähten zur platzen! An dieser Vorstellung wirkte seit langem auch die Männerriege wieder mit. Zum Lied vom Bonetti-Chörli „Aber schöön muss Sie sein!“ gingen die Senioren an der Lueg-Chilbi auf Brautschau.

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Benito ganz links…

Bericht: Martin Schneider, Benito Digirolamo
Fotos: Benito Digirolamo

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Kari der Turnveteran, Männerriegeler, ehemaliger Aktivturner und eben unser „Hoffotograf“

Kari ist seit 1992 Turnveteran. Seine Laufbahn im TVO begann am 15. Mai 1958, mit seiner Teilname an der Turnfahrt in Hasle-Rüegsau. Ein paar Tage später, nämlich am 27. Mai, wurde er dann als Aktiv-Turner aufgenommen. Er nahm auch am Vorunterricht teil. Für Kari war das Turnen aber nicht neu. Schon in Schwarzenegg, wo er die obligatorische Schulzeit absolvierte, machte er ab der siebten Klasse in der dortigen Jugendriege mit. Man konnte in Schwarzenegg die Jugi erst ab der siebten Klasse besuchen. 1955 durfte er in Oberburg, in der Firma Nottaris und Wagner, eine Lehrstelle als Mechaniker antreten.

Der Kontakt zu unserem Turnverein kam durch Lorenz Meister zu Stande. Kari hatte eine beneidenswerte Kondition. Aber wen wunderts? Er fuhr nämlich jedes Wochenende mit dem Fahrrad nach Hause, nach Schwarzenegg, also rund 40 km! Manchmal sogar nach Feierabend und die gleiche Strecke wieder zurück, um am anderen Tag wieder rechzeitig am Arbeitsort zu sein. Nach der Lehre absolvierte Kari die Flab- RS in Payerne.

KARI DER SEEBÄR

KariKari

1961 packte Kari das Fernweh. Er heuerte auf dem Schiff „M/S General Dufour“ an. Dieser Frachter gehörte zur Schweizer Hochsee-Schifffahrt. Trotz seiner absolvierten Mechaniker-Lehre musste er ganz unten anfangen! Also als Maschinenreiniger. Der Titel Maschinist musste abverdient werden! Das war nach drei Monaten der Fall. Später wechselte er auf das Motorschiff „Corviglia“, das ebenfalls zur Schweizer Hochsee-Flotte gehörte. Das war ein sehr schönes Frachtschiff, denn der Übername „Miss der Weltmeere“, kam sicher nicht von ungefähr! Von 1961 – 1964 fuhr unser Seemann mit Unterbrüchen zur See. Schon damals hat er viele Fotos und Dias geschossen. Aber auch seine Filmkamera war oft dabei. Kari hat auf seinen Fahrten insgesamt weltweit 68 Häfen zu sehen bekommen! Mit der „Corviglia“ 39 und mit der „General Dufour“ 29 Häfen. (So z.B. Rotterdam, New Orleans, Kapstadt, Tokio, Kalkutta, Melbourne, etc.) Von seinen vielen Erlebnissen wähle ich folgendes aus:

1. August 1962.
Im Hafen von Duala, Kamerun (Golf von Guinea) feierten sieben Schweizer Seeleute ihren Ausgang und unseren Nationalfeiertag. Sie genossen den Ausgang und zogen später als kleiner Umzug mit Gitarren- und Trommelklängen durch die Stadt. Natürlich wurde auch eine Schweizerfahne mitgetragen. Bald liefen 40 – 50 Einheimische mit, die durch die Musik und den Gesang angezogen wurden. Als später ein Wasserturm in Sicht kam, enterten die friedlichen Seemänner diesen und hissten dort oben die Schweizerfahne. Dabei war schon das Besteigen des Turmes verboten! Die Polizei hatte aber vor allem keinen Gefallen an dieser rot- weissen Flagge. Unsere Fahne wurde als ein komunischtisches Symbol aufgefasst. Durch ihre Verhaftungen und den
anschliessenden Verhören ging viel Zeit verloren. Zuletzt musste ihnen sogar noch das Konsulat helfen. Als sie dann endlich freikamen, hatte ihr Schiff schon abgelegt. Die Polizei zeigte sich dann aber hilfsbereit und fuhr mit unseren „Piraten“, in einem Schnellboot, dem ausgelaufenen Frachtschiff nach. Als dann aber plötzlich noch einer der „Seeräuber“ zum baden über Bord sprang, überforderte das die Hilfsbereitschaft der Polizei und unsere Leute wurden erneut auf den Posten gebracht. Erst nach einigem Hin und Her wurde dann für die „Meuterer“ ein VW-Bus organisiert und sie wurden durch den Dschungel und über Wüstenwege zu der kleinen Hafenstadt Kribi gebracht. Im letzten Moment, das Schiff war schon wieder unter „Dampf“, konnten dann die „Ausreisser“ gerade noch rechtzeitig an Bord gehen. Die Kosten waren dann leider in der nächsten Zahltagsabrechnung sichtbar!

KariKari

Abschied vom Meer

Ab 1965 wurde Kari endgültig wieder zur Landratte. Seine Seemannszeit lässt er aber, mit seinen Besuchen im Keller des Seemannsclub in Bern, immer wieder aufleben. Dort wird nämlich noch immer viel Seemannsgarn gesponnen. Es werden Erlebnisse ausgetauscht, die diese Seemänner nie mehr vergessen und so auch nicht mehr erleben können. Nach Kari, ist nämlich mit den heutigen Containerschiffen, noch die letzte Seemanns-Romantik verschwunden.

KARI DER TVO FAN

Ab 1965 war Kari also wieder ein regelmässiger Turnstundenbesucher. 1975 wurde er als Freimitglied geehrt. Wie er aber selber schreibt, war er wegen Wohnortswechsel, von 1981 – 91 nicht mehr so ein fleissiger Turner. Man sah ihn aber immer an den Turnfahrten, den Hauptversammlungen und bei verschiedenen anderen Anlässen. Hat der TVO etwas zu feiern, ist Kari bestimmt unter den Gratulanten!
1991 trat er zur Männerriege über. Mit bescheidenem Stolz, zeigte er mir sein sehr schönes, doppeltes Turnband, bestückt mit 65 Turnerkreuzli! 40 davon, weisen ihn als treuer Tunfahrt-Teilnehmer aus! Nach der Turnfahrt 2008, kann er dann sein 66. Abzeichen anheften! Ich hoffe, dass er dabei seine 50 Jahre TVO- Zugehörigkeit geniessen kann!

Kari

MÜSTERLIS AUS KARIS TURNLEBEN

1972 Eidg. Turnfest in Aarau. Einige Turner besuchten das Turnfest mit dem Auto. Das Auto, in dem Kari mitfuhr, hatte dann leider unterwegs eine Panne. Es gelang aber, dass alle Mitfahrer noch gerade rechtzeitig zum Wettkampfbeginn antreten konnten.

An der Turnfahrt 1979 in Hindelbank herrschte Regenwetter! Daher wurde „Schärme“ in einem Bauernhaus gesucht. Bei dieser Gelegenheit füllten sie einem Teilnehmer aus einem anderen Verein den Militär-Tornister (Aff) mit Futtermittel.

DANK

Kari, Du hast mir erzählt, dass Du Dir damals, also 1958, als Du zum ersten Mal in die damals überfüllte, kleine Bärenturnhalle eingetreten seist, zuerst im negativen Sinn gesagt hast: „Die haben ja gerade noch auf mich gewartet!“ Kari, sie haben! Sonst wäre wohl aus Dir nicht ein so grosser TVO- Fan geworden! Mache weiter so!
Auch für mich bist Du ein sehr aktiver Veteran. Aber Du weißt ja, bei uns wird nicht Seemannsgarn, sondern, da werden „Schaukelringseile“ gesponnen!

Bericht: Martin Schneider, Karl Oesch
Fotos: Karl Oesch